| Nachhaltigkeit
Interview mit dem Promarca Brand Sustainability Award 2026 Sieger
Ohne gesunde Böden keine Kartoffeln, ohne Kartoffeln keine Chips. Diese einfache Wahrheit steht im Zentrum eines Projekts, das nun mit dem Promarca Brand Sustainability Award ausgezeichnet wurde. Im Interview erklärt uns Cédric Baier, Leiter Nachhaltigkeit von Zweifel, wie aus einer Zusammenarbeit mit Schweizer Kartoffelproduzenten ein CO₂-bilanzierter regenerativer Kartoffelanbau entstanden ist, und warum 1’500 Tonnen regenerativ angebauter Kartoffeln mehr sind als nur eine Zahl. Ein Gespräch über gesunde Böden, faire Partnerschaften und die Frage, was es braucht, damit Nachhaltigkeit vom Pilotprojekt zum neuen Standard wird.
Was bedeutet diese Anerkennung für euch?
Der Promarca Brand Sustainability Award freut uns enorm. Nicht nur, weil wir ihn gewonnen haben, sondern weil er zeigt, dass Nachhaltigkeit und Genuss Hand in Hand gehen. Für uns ist die Auszeichnung vor allem eine Anerkennung für die vielen Menschen, die diesen Weg mitgehen: unsere Kartoffelproduzenten, Partner:innen und Mitarbeitenden entlang der Wertschöpfungskette. Sie alle tragen dazu bei, Schweizer Kartoffeln zukunftsfähig anzubauen und nachhaltige Entwicklung konkret umzusetzen.
Erkläre uns das Projekt doch mal ganz einfach: Kartoffeln, Klima, Chips – wie passt das alles zusammen?
Ganz einfach: Ohne Kartoffeln keine Chips. Und ohne gesunde Böden keine Kartoffeln. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit Produzenten daran, Böden fruchtbar zu halten, Biodiversität zu fördern und den Kartoffelanbau widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Wetterextremen zu machen. So schützen wir eine wichtige Grundlage unserer Chips und leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Klima, indem mehr Treibhausgase im Boden gespeichert werden und generell weniger ausgestossen werden.

Warum sollte das auch jemanden interessieren, der einfach nur gerne Chips isst?
Weil guter Geschmack bereits auf dem Feld beginnt. Wer unsere Chips liebt, möchte wahrscheinlich auch, dass es Schweizer Kartoffeln noch lange gibt. Regenerative Landwirtschaft hilft dabei, Ernten langfristig zu sichern und die Landwirtschaft klimaresilienter zu machen.
Was macht diese Zusammenarbeit mit den Landwirtinnen und Landwirten aus? Und warum ist sie eher ein gemeinsames Entwickeln als ein klassisches Einkaufsverhältnis?
Weil nachhaltige Veränderungen nicht per Bestellung entstehen. Wir arbeiten mit unseren Produzenten, Inoverde, fenaco Genossenschaft, Florin und AgroImpact langfristig zusammen, lernen voneinander und entwickeln Lösungen gemeinsam. Dazu gehören sechsjährige Abnahmegarantien, faire Vergütungsmodelle und die Messung der Klimawirkung. Uns verbindet nicht nur ein Vertrag, sondern ein gemeinsames Ziel.
Was hat euch an den Resultaten selbst am meisten überrascht?
Wie schnell aus einer Idee ein konkretes Modell geworden ist. Aus ersten Pilotbetrieben entstand der schweizweit erste CO₂-bilanzierte regenerative Kartoffelanbau. Besonders erfreulich ist, dass sich viele regenerative Praktiken gut in bestehende Bewirtschaftungsformen integrieren lassen. Nachhaltigkeit beginnt oft nicht mit einer Revolution, sondern mit einzelnen guten Schritten.
Gibt es eine Zahl oder ein Bild aus dem Projekt, das für dich alles zusammenfasst?
Ja: 1’500 Tonnen regenerativ angebaute Kartoffeln, die wir 2025 beschafft haben. Diese Zahl steht für echte Umsetzung statt Theorie. Oder als Bild: Eine Handvoll gesunder Erde. Denn dort beginnt alles – Biodiversität, Klimaresilienz und gute Erträge für unsere Chips.
Was müsste passieren, damit das nicht nur bei einer Handvoll Höfen bleibt, sondern zur Regel wird?
Die Umstellung muss für Produzenten wirtschaftlich attraktiv sein. Dafür braucht es langfristige Partnerschaften, Planungssicherheit, praxistaugliche Rahmenbedingungen und die Bereitschaft von Unternehmen, Verantwortung entlang der Lieferkette zu übernehmen. Wenn Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen, kann aus einem Pilotprojekt ein neuer Standard werden. Hierfür müssen sich aber auch noch mehr Unternehmen dafür engagieren.

Was macht dieses Projekt so besonders? Was habt ihr anders gemacht als das, was es in der Branche bisher schon gibt?
Wir reden nicht nur über Potenziale, wir messen sie. Erstmals wurde in der Schweiz die Klimawirkung regenerativ angebauter Kartoffeln bilanziert und mit einer konkreten Beschaffungsstrategie verbunden. Gleichzeitig vergüten wir die Klimaleistung und geben den Produzenten über bislang sechs Jahre Planungssicherheit. Das macht den Ansatz skalierbar und übertragbar.
Was bedeutet ein Projekt wie dieses für die ganze Branche der Markenartikelhersteller?
Viele Unternehmen stehen vor der gleichen Herausforderung: Ein grosser Teil der Umweltwirkung entsteht nicht in der Fabrik, sondern in der Lieferkette. Wer seine Klimaziele erreichen will, muss deshalb gemeinsam mit den Rohstoffproduzenten Lösungen entwickeln. Wir hoffen, dass unser Ansatz andere Unternehmen ermutigt, ähnliche Partnerschaften aufzubauen. Die grossen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nur gemeinsam lösen.
Letzte Frage: Was wünschst du dir in zehn Jahren, wenn du auf dieses Projekt zurückblickst?
Ich wünsche mir, dass regenerativer Kartoffelanbau dann nichts Besonderes mehr ist, sondern selbstverständlich. Und dass wir sagen können: Wir haben früh begonnen, Verantwortung übernommen und geholfen, Schweizer Kartoffeln, fruchtbare Böden und eine starke Landwirtschaft für kommende Generationen zu sichern. Wenn wir das schaffen, ist dieser Award nicht das Ziel gewesen – sondern ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg dorthin.



